Der Rheinfall

Wie oft bin ich schon an dem Rheinfall bei Schaffhausen vorbeigefahren, mit dem Auto, mit dem Zug, mit dem Wohnmobil …
„… und mit dem Motorrad, und nie sind wir da ordentlich angelandet“, unterbricht mich Bonnie. „Los, jetzt gehst du in den Keller und holst die Reifenpumpe, ich fühle mich am hinteren Schlappen etwas schlapp“, (Bonnie kichert, sie hat einen Scherz gemacht, den findet sie echt gut), „dann haust du mir die passenden Atüs (Bonnie, wann lernst du das endlich, Bar, Bonnie, Bar, seit vielen Jahrzehnten Bar) auf das Hinterteil, und dann geht es los. Rund um den See nach Stein am Rhein (in einem Anfall von Selbstkritik unterdrückt sie das schon geplante „da ist es fein) …

… und dann nach Laufen.“
Sie macht eine Pause, dann: „Da kannst du dann die Stufen runterlaufen.“ Sie kichert wieder, sie ist doch heute ein wahrer Schelm.

Also los, in Stein am Rhein trainiert gerade der Nachwuchs von der SBB (für alle des Schwyzerdütsch Unkundigen: Betonung auf dem S – Wie, höre ich da Protest? Das muss VFF heißen? Okay, okay, ein Rätoromane. Der besteht natürlich auf die Viafiers federalas svizras. Aber wir sind hier nicht in Sedrun, sondern in der Nordschweiz, wo die Alemannen das Sagen haben.)
Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, also: …von der SBB und fährt die Touristen auf der Schmalspurbahn im Kreis.

Nach ein paar Schlenkern parke ich Bonnie beim Laufener Schloss am Rande einer wunderschönen Wiese. Ach, ist das schön hier, wenn ich nur nicht so müde wäre!

Unten rauscht der Rhein.
Rauscht? Der tost und tost und tost und …

… stolz erzählen die tosenden Wasser von ihrer Kraft. „Der isländische Dettifoss ist doppelt so hoch wie ich? Ha, Mann! Ich haue doppelt so viel Wasser in der Minute auf die Felsen.“
Schon bin ich in den schweren Motorradklamotten erstaunlich leichtfüßig die Stufen heruntergesprungen. Da braust es, da brodelt es, da sprüht die Gischt, dass der Fotoapparat sich die Linse zuhält.

Und Bonnie liegt mir in den Ohren: „Du Schuft, was soll ich hier auf diesem
öden Parkplatz, um mich herum alles Japaner (Bonnie kann schon ein rechter Chauvi sein, japanische Reiskocher, da kommt ihr das Würgen.).
Ich habe ein Herz aus Butter. „Bonnie, hopp!“

Und schon sitzt die Gute zum Entsetzen der Passagiere neben mir auf der Barke. Der Bootsführer ist aus Bern, der ist durch nichts zu erschüttern.

Dann schießt das Boot mit einem kühnen Satz auf das Zentrum des tosenden Wasserfalls zu.
Bonnie ist nicht mehr zu bremsen. Kühn reckt sie den Scheinwerfer nach vorn, dahin, wo die Wasser außer Rand und Band sind.

Am Wasserfall. 373 Kubikmeter Wasser pro Sekunde hauen hier die Steine rund.

Eine Familie aus dem fernen Colombo ist gar nicht mehr einzukriegen.

Das Wasser zischt, knallt, rüttelt, das Smartphone hätte gerne einen Regenschirm, …

… da höre ich die Bonnie.

„Mann, Mädchen, du machst Sachen.“
Sie hängt wieder im Boot und kotzt sich aus.
Der Bootsführer sagt nichts. Dem fehlen die Worte. Das hat er noch nicht erlebt.
„Ich muss mal verschnaufen“, stöhnt sie auf dem Parkplatz, „ich muss erst mal die Kette auswringen.“
Ich drehe mich zur Kette um und knalle auf den Boden. Und schaue hoch. Und seh ’ne Bank, die schaut auf mich herunter. Bonnie steht zehn Meter weiter links und dreht die Daumen. Unser Grauchen, ist wohl etwas unsanft aus seinem gewohnten Pädagogenkoma aufgetaucht.
Ich ordne Beine, Arme und was sonst noch zur Bewegung notwendig ist. Etwas mühsam hieve ich mich in die Senkrechte und stakse in den schweren Motorradklamotten am Laufener Schloss vorbei herunter zum Wasserfall. Da tosen die Wasser.


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