In den Westalpen unterwegs – 6. und letzter Tag

Der sechste Tag: Heimfahrt – 8:15-17:00 Uhr/385 km
Freitag. Lange nicht mehr so schlecht geschlafen. Der letzte Tag meiner letzten großen Tour. Was soll nur aus mir werden? Hab ich das schon einmal gejammert? Dann jammere ich es hier noch ein zweites Mal.

Die Bonnie jammert nicht. Die denkt nur von Tour zu Tour. Dass sie gleich das öde Rhonetal quer über die Röstigrenze bis Brig hochfahren muss, geht ihr schwer auf die Zylinder, dass diese öde Tour auch noch auf der Autobahn hochgequält werden soll – wenn schon öde, dann auch richtig – lässt sie sogar die immer noch versauten Auspufftüten vergessen.
Aber wat mutt, dat mutt, Die Stecke ist lang, und da wollen wir möglichst schnell da ankommen, wo es interessant wird.
Also die Vignette an der Außenseite des Spiegels vom Schmutz befreit und los. Nach Fiesch wird Fahrt und Wetter alpiner, Nebel zieht auf, und schon sind wir in Gletsch. Jetzt geht es hoch zum Furka Pass.

Ach ja, der Fukapass. Wie lange ist das her? 40 Jahre? 45 Jahre?.k-40a 69s end Die BMW 69 S fegte den Grimselpass hoch, segelte brummelnd wieder herunter, schwenkte zum Furkapass. Auf 2450 Metern durfte sie verschnaufen. Und weil gerade die Sonne unterging und es schweinekalt wurde, ließen wir unser Minizelt in dem Tankboy und zogen in das (damals) wacklige Hotel. Mein Gott, was für Betten. In den tiefgründigen Matratzen versanken wir kichernd bis über beide Ohren. Uns blieb nichts anderes übrig, als brav zu schlafen.
Am nächsten Morgen röchelte unsere bayrische Lady unter den ausgeruhten Tritten auf den Kickstarter. Manno, stöhnten die Vergaser, diese Luft ist ja zum Würgen. Die ist ja so was von unfett.
Okay. Kurzer Blick zur Frau. Ich saß auf, sie schob und schon war die Welt wieder in Ordnung (Ihre Version lassen wir hier einmal unberücksichtigt).
k-41 furka
Heute ist ein diesiger Tag und diesen schönen Blick von dem Furkpass auf die Grimselpass Auffahrt hatte ich an diesem Tag leider nicht.

Fix ist die Bonnie rüber über den Pass. Der Nebel wird dichter. Ein Warnschild taucht auf. Die Schweizer haben einen schrägen Sinn für Pädagogik, aber auch einen guten für Ästhetik. Der Nebel, der einsame Biker und der Tod – das haut hin.k-40 smart rider.jpg

So eingestimmt kommt eine Vision über die Bonnie und mich, als das Hotel Galenstock einsam in grauer Landschaft emporsteigt. „Psycho“ lässt grüßen. Hier hätte auch Norman Bates seine blonden Opfer zerhacken und in die nächste Schlucht werden können
Das hat er natürlich nicht, aber James Bond ist hier im Aston Martin – in echt – vorbeigefegt, um Goldfinger in seinem Rolls dingfest zu machen. Und die Bonnie immer hinterher – ach, wär das schön. Die Bonnie hat eine Träne im linken Blinker.k-42 hotel .jpg
Und schon segeln wir an Andermatt vorbei – das wunderschöne Stadtzentrum müssen wir streichen, die Zeit ist knapp – und tauchen ein in einen Tunnel. Kurz nach dem Tunnel – da muss man fix sein – kippen wir rechts ab zum Restaurant Teufelsbrücke.

Die Bonnie atmet auf. Jetzt kann sie erst mal in Ruhe die Zylinder kühlen.
Und ich atme auf und wackle mit dem Po (Links unten hat sich der Saum der Unterhose – die wird zu Hause entsorgt! – in die Haut eingegraben.) und lasse den rechten Arm kreisen, der Bursche muss geweckt werden.
Aber Das rechte Knie ist gut drauf. Also rüber zur Teufelsbrücke. k-42b teufesbrückeDas ist ein alt Ding. Schon im 13. Jahrhundert zogen die Maultiere die Waren von Süd nach Nord und von Nord nach Süd über diese Brücke.
Dann zum Suworow-Denkmal. Suworow? Alexander Wassiljewitsch ? Wie ist der Russe hierhergekommen?
k-42a Suworow-DenkmalDer kam im September 1799 als Oberbefehlshaber der russisch-österreichischen Truppen, die im Rahmen des Zweiten Koalitionskrieges gegen die napoleonische Armee unter abenteuerlichen Bedingungen hier erfolgreich operierten. Das Denkmal erinnert an die dramatische k-42c gemäldeEroberung der Teufelsbrücke. Die dauerte vom 25. bis 26. September.
Der russische Präsident Dmitri Medwedew besuchte bei seinem Staatsbesuch 2009 das Denkmal. Ich acht Jahre später – ohne Staatsbesuch.

Während ich meinen Rüssel in einem kulanten Stück Aprikosenkuchen mit Sahne versenke – für den geliebten Zwetschendatschi ist es noch zu früh –  kratzt die Bonnie ungeduldig mit den Fußrasten. Die will weiter.
Okay, das will ich auch und bezahle und schon geht es ab geht Richtung Altdorf, genauer nach Bürglen, denn hier beginnt die k-46b klausen2Auffahrt zum Klausenpass. Was soll ich noch dazu sagen, es nimmt mir immer wieder den Atem.
k-46 klausen3.JPGDie Bonnie wirft noch einen letzten Blick auf den Jegerstöck und bald arbeiten wir uns durch Glarus und Rapperswil zum Bodensee.
Da warten die Fähre, eine Frau, eine Dusche und ein feines Bett.k-47 fähre.jpg

Die Bonnie stellt sich auf ihren Ständer und klappt den Auspuff ein. In mir rödelt das Gedankenkarussell:
Was dies nun meine letzte große Tour?

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