In den Westalpen unterwegs – 5. Tag

Der fünfte Tag: Zurück nach Martigny– 9:15-17:00 Uhr/336 km
Donnerstag
Wie ich zurückfahren werde? Genau weiß ich das nicht. Wieder bis Martigny? Das war doch eine rasante Tour von da nach hier. Aber ja doch, da fahren wir doch einfach das Ganze noch mal von hier nach da.
Donnerstag. 8 Uhr. Kaffeebecher ausgespült, Messer abgewischt, Zelt abgebaut, die Bonnie aufgebockt, angelassen, ersten Gang rein und Kette gefettet. Immerhin liegen für die nächsten beiden Tage rund 900 km vor uns.

Dann die Seitenkoffer einschnappen lassen und los.k-50a fromagerie.jpg
Noch schnell bei der Fromagerie de la Durance vorbei und mir einen Fromage au lait cru de brebis mitgenommen, einen Schafskäse, den mein Gaumen nie vergessen wird.
Und wieder geht es die Pässe hoch, dieses Mal aus der anderen Richtung. Kurz unter dem Col du Galibier lauert wieder eine Fotografin, die Bonnie tut ihr Bestes. Und ich? Ich schaue wie immer grimmig durch das Visier. Warum nur?k-14 galibier

Vielleicht, weil der anvisierte Campingplatz von Martigny zwar gut eingerichtet, aber viereckig öde wie eine römische Militärsiedlung auf uns wartet.
19:15 Uhr: Da sitze ich nun zwischen Zelt und Bonnie mit meinem Schafskäse und plane den letzten Tag.
Gerade lasse ich meinen Cromarganbecher langsam Richtung Mund schweben, da passiert es:
Er und sie, Abendspaziergang. Verdauung ist angesagt. Tausend Schritte sollst du tun …
Sie leicht vorweg, er leicht hinterher, mit seiner kurzen Hose, irgendwie angekhakiet, mit seinem knappen T-Shirt, auf dem ein Panther durch die Lüfte hechtet. Sein Bauch (kein Pantherbauch) schwenkt leise von Ost nach West. Die Beine stehen in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zu seinem Torso, die Augen, oh Gott, wie konnten sie leuchten, als er ihre Haare auf der Norton Commando fliegen ließ, hängen schwer in ihren Tränensäcken: Ein Mann, in seinen nicht mehr besten Jahren.
Sie: Hager, in Jeans mit Stretch und verzierten Potaschen, ein Hauch von Farbe in der Bluse, der oberste Knopf geöffnet. Die Brüste schwenken leise von West nach Ost, von einem diskreten BH freundlichen empor gehoben. Die Augen smokey eyes, die Wangen mit einem Bronzer geliftet, die Lippen in dezentem nude: Da hat die Tochter der Mutter ein Schminktutorial angedeihen lassen
Das Lächeln, das sie mir rüber schickt – etwas Sehnsucht, etwas Frage, etwas Einladung? Meint sie mich? Meint sie mein Motorrad? Meint sie ihren Mann?
Ich weiß es nicht, aber ich freue mich über ihrem Blick.

Und schon segeln die beiden vorbei. – Ach ja, warum fahre ich immer solo?
Die Rotweinflasche ist leer, aber die morgige Tour steht.

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